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Ist der Süssauer Strand noch zu retten ?

15. Mai 2011 – von j.st.

Fortsetzung von Seite 1:

Für den Süssauer Strand kommt im Gegensatz zu den mecklenburgischen Küsten als gravierende negative Bedingung hinzu, dass der Meeresuntergrund kein ausreichender Sandlieferant ist, denn der Untergrund besteht im Küstenvorfeld aus Restsediment über Geschiebemergel. Geschiebemergel und Geschiebelehm sind Sedimente der Gletschergrundmoräne. Die Grundmasse sind die ungeschichteten Reste von zerriebenen Gesteinen die unterschiedlich stark mit Geschiebe durchsetzt sind. Primärer Kalkmangel  in den zerriebenen Gesteinen oder eine sekundäre verwitterungsbedingte Kalkabfuhr erzeugt den Geschiebe- oder Blocklehm. – Der aber ist wiederum nicht der gewünschte feine Sand.

Parallel zu dieser Prognose aus der “Bruun´schen Regel”bewirkt die globale Klimaerwärmung ein enormes Abschmelzen der Polkappen der Erde. Der globale Meeresspiegelanstieg durch das Abschmelzen addiert sich  zum eustatischen Meeresspiegelanstieg, was unweigerlich zum Zurückweichen der Küstenlinie führen muss. Sehr auffällig lässt sich das sowohl am Nord- als auch am Südende der in den hochwassergefährdeten Bereich als ganzer Stolz des Süssauer Strandes gebauten Promenade beobachten.

Die Verkolkung an den Steinverbauungen (vliesgeschützt) durch das vordringende Wasser ist mittlerweile soweit in die Düne, bzw. Moräne vorgedrungen, sodass die Brandung bald den Deich, der den Bereich des ehemaligen “Süssauer Binnensees” (heutiges Campingplatzgebiet) schützt, erreichen wird. Eine Deicherhöhung haben die bisherigen Vorteilsnehmer aus Kostengründen abgelehnt.

Der an dem Abend anwesende Vertreter der Landesregierung aus Kiel wies aber mehrere Male unmissverständlich im Verlauf des Vortrages darauf hin,dass die Landesregierung für evtl. Küstenschutzmaßnahmen, sowie Sandaufspülungen oder den Bau von Molen “keinen Cent” aufbringen werde. Für viele Zuhörer eine ernüchternde Nachricht, wobei sie die gerade begonnenen Baumaßnahmen für die Deicherhöhung des Landesschutzdeiches zwischen Dahme und Rosenfelder Strand vor Augen haben.

Am Süssauer Strand Foto: Dr. Klaus SchwarzerZum Abschluss des Vortrages nahm Dr. Schwarzer den Zuhörern auch noch den allerletzten Funken Hoffnung auf einen “voll-sandigen” Süssauer Strand. Neben all diesen natürlichen, bzw. geologischen Faktoren der zurückweichenden Küste, die unabwendbar sind, kommen noch sogenannte “hausgemachte” Effekte zum Tragen. Ein vertikales, undurchlässiges Bauwerk, wie eine Spundwand oder eine Promenadenverbauung reflektiert die gesamte Wellenenergie.

Streckelsbergmauer auf UsedomEine aus dem Küstenprofil hervortretende Spundwand sorgt für eine Wellenerhöhung und somit zu erhöhter Abrasion. Beispiele: Die Streckelsbergmauer (Insel Usedom) wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet. Sie ist mehrfach zerstört und wieder aufgebaut worden. Oder die Strandsituation vor dem “Miramar” in Niendorf. Auch sehen wir eine natürliche Rückverlegung von Küstenvorsprüngen. Beispiele: Die Eichholzniederung und Steinwarder vor Heiligenhafen.
Die von der natürlichen Küstenentwicklung her angestrebte Ideallinie ist verlaufsbestimmend. Senkrechte Bauwerke und vorgezogene Bauwerke nehmen einen negativen Einfluss auf die natürliche Küstendynamik.

Zusammenfassung:

1.  Küsten sind hinsichtlich ihrer Funktionsweise in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Das schließt Erosionsgebiet, Sedimenttransportzone und  Akkumulationsgebiet ein.

2.  Flach- und Steilküsten an der Ostsee weichen zurück. Über und unter der Wasserlinie.

3.  Der Küstenrückgang im Unterwasserbereich setzt je nach Küsten-konfiguration und Welleneinfluß weit vor der Küste an.

4.  Senkrechte Küstenschutzbauwerke und in den Seebereich vorgezogene Bauwerke behindern die natürliche Küstendynamik.

5.  Küstenschutzanlagen sind in der Lage, den Rückgang nur befristet zu stoppen und sind sehr kostenintensiv.

6.  Sandvorspülungen sind nur teuer und werden staatlich nicht subventioniert.

Bernd Schulze

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Kommentare

  • 3.  Von U. Kwittek am 22.08.2011 um 15:24 Uhr:

    Moin moin,
    als “Landratte” hab ich natürlich sehr wenig Ahnung von den ganzen genannten Fachbegriffen, aber als regelmäßiger Urlauber in Süssau verfolge auch ich den schwindenden Strand. Wenn ich Urlaubsfotos von vor 23 Jahren mit dem Zustand heute vergleiche; einfach erschreckend!
    Wo früher noch weiter Sandstrand war, schwappen die Wellen wie in diesem Jahr fast an die Scheiben der Silbermöwe. Für den Moment eine beeindruckende Szene, aber wenn man mit diesem Zustand leben muß….

    Wie man liest, gibt es genügend Vorschläge und Alternativen, es wäre schön wenn davon etwas realisiert werden könnte.
    Aber ob mit oder ohne Strand, der Urlaub 2012 in Süssau ist fest eingeplant.

  • 2.  Von Günter Oster am 20.05.2011 um 19:27 Uhr:

    Ende gut, nichts ist gut – so jedenfalls ziehe ich das Resüme aus den von Herrn Bernd Schulze gut verständlich dargelegten Ausführungen zum Vortrag des Herrn Dr. Schwarzer im vorstehenden Artikel.

    Um gleich zu Anfang kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Mit dem nicht allzu guten Ende meine ich nicht etwa die fachlichen Darlegungen von Herrn Bernd Schulze, sondern die Situation um den Süssauer Strand.

    Als direkter Anlieger mit der Gaststätte Silbermöwe an der Strandpromenade in Süssau sind wir natürlich auch direkt Betroffene von den unabwendbaren Ereignissen, die sich buchstäblich vor unserer Haustüre abspielen: Vereinfacht gesagt, das Wasser rasiert immer mehr Sandstrand ab, bis die Wellen die Fundamente der Promenadenbefestigung unterspülen und Risse in der erst vor wenigen Jahren erneuerten Promenade verursachen.
    Am Strandabschnitt unseres Hauses, also an der Nord-Promenade, ist es bereits heute soweit. Innerhalb der letzten vier Jahren mussten wir zusehen, wie die noch vor vier Jahren vorhandenen letzten drei Meter Sand verschwanden. Infolge dessen wurde das Promenadenfundament an unserem Strandabschnitt immer weiter freigelegt, so dass heute eine freiliegende „Fundamentwand“ als Bollwerk gegen die anrollenden Wassermassen steht. Den Darlegungen von Herrn Schulze zufolge bedeutet das eine noch höhere Abrasion. – Also ein Teufelskreis am Süssauer Strand, an dessen Ende auch die Fassaden der betroffenen Gebäude mit in den scheinbar ausweglosen Strudel gerissen werden ?

    Ich meine nein. Es mag richtig sein, dass die aufgezeigten geologischen Faktoren unsere Küste am Süssauer Strand negativ beeinträchtigen. Sicherlich ist auch richtig, dass die vorhandene Strandpromenade in einen hochwassergefährdeten Bereich hinein gebaut wurde. Das hat naturgemäß zur Folge, dass man als Anlieger mit Hochwassersituationen an der Promenade leben und fertig werden muss. Hochwasser und Sturmfluten sind die Risiken, die man kennt und mit denen man leben muss – da nicht abwendbar -, baut man an so exponierten Lagen Gebäude, wie bei uns am Süssauer Strand. Die Gefahr einer Unterspülung von Fundamenten jedoch ist keine Naturkatastrophe, sondern ist ein vorhersehbares Ereignis, das abwendbar ist. Für solche Maßnahmen ist die Eigentümerin der Promenade, hier die Gemeinde Heringsdorf zuständig. Sicherungspflichten eines Grundstückes ergeben sich aus dem BGB.

    Aus diesem Grund und aus aktuellem Anlaß – wie oben dargelegt ist die Situation an der Nord-Promenade „5 Minuten nach 12“ – habe ich mir vor wenigen Wochen Rat bei einem in Wasserbauten erfahrenen Ingenieur geholt, der mir zur Abwendung einer möglichen Unterspülung der Promenadenfundamente folgenden Vorschlag machte:

    Gegen die jetzt freiliegende Fundamentmauer wird auf der gesamten Länge der Nord-Promenade – also auf ca. 110 m Länge – eine verdichtete Lehmböschung angeschüttet, die mit einem Geo-Textilvlies überlagert wird. Das Vlies – am Hundestrand seit Jahren vorhanden – wird am unteren Ende, also an der Wasserlinie, ca. einen halben Meter tief eingegraben und mit großen Findlingen überlagert. Die vorhandenen kleineren Steine überlagern dann bis zum oberen Ende der Böschung das Textilvlies. Mit dieser Maßnahme würde erreicht werden, dass die ankommenden Wellen den Boden nicht mehr abrasieren könnten. Sie würden durch das Textilvlies gestoppt und der heute drohenden Unterspülung der Fundamente an der Promenade wäre ein Ende gesetzt.

    Dieser fachlich fundierte Vorschlag liegt nun seit einigen Wochen dem Gemeinderat von Heringsdorf zur Entscheidung über die Baumaßnahme vor. Die Bauausführung könnte noch im September diesen Jahres erfolgen. Es liegt nun an der Gemeinde hier eine verantwortungsbewußte und baldige Entscheidung zu treffen, nicht nur um ihrer gesetztlichen Verpflichtung zur Sicherung der Promenade nachzukommen, sondern vor allem auch um Gästen und Anwohnern eine baulich sichere Promenade zu bieten.

    Dann könnte man vielleicht auch in Süssau sagen: Ende gut – alles (?) gut.

  • 1.  Von Süssau liebender Camper am 16.05.2011 um 16:08 Uhr:

    Und wat nu? bedeutet das, der Süssauer Strand geht seinem baldigen Ende entgegen?
    Hier ein extrem (blödsinniger) Vorschlag:
    Neue Promenade unterhalb von den Appartment Häusern, Mews & dem Windrad bauen. Den Deich öffnen (zwischen Nord- Südpromenade). Die alte Promenade auf einer Art Mole Stehen lassen. Die Campingplätze auf freie Flächen weiter oben am Dorf verlegen. Und Süssau blüht mit einer neuen Bucht im alten Glanz und wird das Top Ziel der Westdeutschen Ostseeküste.
    Ich weiss, is albern, aber bald is sonst nix mehr.

    Anmerkung der Redaktion:

    Lieber “Süsssau liebender Camper” !

    Ihr Kommentar ist weder “blödsinnig” noch albern. Er ist absolut kreativ! Und nur aus kreativen Köpfen kommen die besten Lösungen. Glückwunsch zu Ihrer Einschätzung!

    Jochen Steinkühler, 17. Mai 2011

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