Inhalt

Ist der Süssauer Strand noch zu retten ?

15. Mai 2011 – von j.st.

Am 3. März fand zu diesem Thema in unserer Gemeinde eine Vortragsveranstaltung statt. Dr. Klaus Schwarzer von der Christian-Albrecht-Universität Kiel erläuterte auf Einladung von Bürgermeister Heino, vor über 100 interessierten Gästen und Einwohnern die Situation an unseren Ostseestränden. – Inzwischen sind an Süssauer.de viele Anfragen mit Wünschen nach einer Wiederholung oder Zusendung des Vortragsskriptes herangetragen worden. Beides ist nicht zu realisieren.

Autor Bernd Schulze, Foto: Jochen SteinkühlerUm jedoch denen, die nicht an der aufschlussreichen Veranstaltung teilnehmen konnten, einen Inhaltsüberblick zu geben, haben wir einen Teilnehmer, den pensionierten Realschullehrer und studierten Geologen Bernd Schulze gebeten, für Süssauer.de einen Beitrag über das Thema der Veranstaltung vom 3. März 2011 , zu schreiben.

Hier folgen seine umfangreichen, fundierten, Ausführungen:

Ist der Süssauer Strand noch zu retten ? – Von Bernd Schulze, Heringsdorf/Klötzin

Nach dem Neubau der Promenade am Süssauer Strand für ca. 1,7 Mio. €uro mit Hilfe der Gemeinde Heringsdorf, Fördermitteln des Landes Schleswig-Holstein und der EU, gerät die Zukunft dieses Strandabschnittes immer häufiger in den Mittelpunkt von Gesprächen. So auch in einem Vortrag von Dr. Klaus Schwarzer von der CAU Kiel am 3.3.2011 in Heringsdorf.

Als Geologe begann er seine Ausführungen mit einem kurzen Abriss der Entstehungsgeschichte der Ostsee. Vor ca. 10.000 Jahren klang die Eiszeit in Schleswig-Holstein aus. Die bis zu 3 km dicken Gletscher tauten ab und das Schmelzwasser sammelte sich in der heutigen Ostsee. Aufgrund der Entlastung der skandinavischen Erdplatte hob sich die Erdkruste dort an, während sie im südlichen Ostseeraum dementsprechend absank. Die Lübecker Bucht ist ein Bereich, der aufgrund seiner geologischen Vorprägung als Senkungsgebiet relativ zum Meeresspiegel eingestuft wird, was also einen relativen Meeresspiegelanstieg bedeutet.

Welche Bedeutung haben die Eisrandlinien für die Küstenentwicklung ? Bei genügend großem Abstand zwischen den Eisrandlinien konnten sich sogenannte “Sanderflächen” ausbilden. Sie sind aus Sand und Kies aufgebaut, also ideale Materiallieferanten für einen schönen Strand. Leider trifft das für den Bereich des Süssauer Strandes, wie wir noch sehen werden, nicht zu.

Die Außenküste der Ostsee (ohne Schlei und Bodden…) ist 556 km lang. Davon sindKliff von Siggen.  Foto: Jochen Steinkühler 408 km Flachküsten (wie beim Süssauer Strand) und 181 Steilküsten mit insgesamt 148 km Länge (wie bei der Küste von Siggen). Zwischen den Steilküsten (Abbruch von Material) und den Flachküsten (Ablagerung von Material) gibt es ein dynamisches Gefüge. Das Kliff von Siggen (nördl. Süssau): ca. 3 km Länge; Rückgangsraten 1953 – 1977: 0,13 bis 0,24 m/Jahr (Ziegler & Heyen, 2005). Das abgebrochene Material wird durch den Wellengang und die küstenparallelen Strömungen verlagert. Es entsteht eine Ausgleichsküste, die aber ständigem Wandel unterliegt.

Nun kommen wir zu der Frage, wo der geliebte Sand  am Süssauer Strand bleibt ?!?

Was passiert mit Wellen, wenn sie auf die Küste zulaufen? – Wird die Wassertiefe kleiner als eine halbe Wellenlänge, kommt es zur Wechselwirkung zwischen den Wasserteilchen und dem Meeresboden. Durch Reibung wird Energie abgebaut, die Wellenlänge nimmt ab, die Wellenhöhe nimmt zu. Es entstehen brechende Wellen, die landwärtigen Transport von Wasser und Sediment (meistens Kies und nicht Sand) bewirken. Wenn der Meeresspiegel steigt, werden Strände abgetragen. In welchem Maße sich die Küstenlinie wahrscheinlich zurückzieht, wird bislang nach einem Jahrzehnte alten Modell der sogenannten “Bruun´schen Regel” berechnet.

Vortrag Dr. Schwarzer in Heringsdorf/Süssauer.deDer steile “Sommerstrand” (swell profile) oder Berme entsteht bei lang anhaltenden Ruhigwetterbedingungen, der flache “Winterstrand” (storm profile) ist das Ergebnis von Sturmwetterlagen. Die Beziehung zwischen der Neigung des Vorstrandes, der Wellensteilheit (Energieeintrag) und dem vorhandenen Sediment (Korngröße) hängt von der Windstärke ab. Also Sand ist nicht gleich Sand. Die Unterwasserstrukturen (Bar) sind dynamisch, nicht statisch. Sie bewegen sich im saisonalen Rhythmus. Die Unterwasserbereiche vor Flachküsten gehen aufgrund des Meeresspiegelanstiegs zurück bzw. werden tiefer gelegt. Wir beobachten in der südwestlichen Ostsee im Überwasserbereich (Strandwall) gegen das Land vorrückende Küsten.

Weiterlesen > Seite 2

Seiten: 1 2

› Kommentar schreiben    

Kommentare

  • 3.  Von U. Kwittek am 22.08.2011 um 15:24 Uhr:

    Moin moin,
    als “Landratte” hab ich natürlich sehr wenig Ahnung von den ganzen genannten Fachbegriffen, aber als regelmäßiger Urlauber in Süssau verfolge auch ich den schwindenden Strand. Wenn ich Urlaubsfotos von vor 23 Jahren mit dem Zustand heute vergleiche; einfach erschreckend!
    Wo früher noch weiter Sandstrand war, schwappen die Wellen wie in diesem Jahr fast an die Scheiben der Silbermöwe. Für den Moment eine beeindruckende Szene, aber wenn man mit diesem Zustand leben muß….

    Wie man liest, gibt es genügend Vorschläge und Alternativen, es wäre schön wenn davon etwas realisiert werden könnte.
    Aber ob mit oder ohne Strand, der Urlaub 2012 in Süssau ist fest eingeplant.

  • 2.  Von Günter Oster am 20.05.2011 um 19:27 Uhr:

    Ende gut, nichts ist gut – so jedenfalls ziehe ich das Resüme aus den von Herrn Bernd Schulze gut verständlich dargelegten Ausführungen zum Vortrag des Herrn Dr. Schwarzer im vorstehenden Artikel.

    Um gleich zu Anfang kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Mit dem nicht allzu guten Ende meine ich nicht etwa die fachlichen Darlegungen von Herrn Bernd Schulze, sondern die Situation um den Süssauer Strand.

    Als direkter Anlieger mit der Gaststätte Silbermöwe an der Strandpromenade in Süssau sind wir natürlich auch direkt Betroffene von den unabwendbaren Ereignissen, die sich buchstäblich vor unserer Haustüre abspielen: Vereinfacht gesagt, das Wasser rasiert immer mehr Sandstrand ab, bis die Wellen die Fundamente der Promenadenbefestigung unterspülen und Risse in der erst vor wenigen Jahren erneuerten Promenade verursachen.
    Am Strandabschnitt unseres Hauses, also an der Nord-Promenade, ist es bereits heute soweit. Innerhalb der letzten vier Jahren mussten wir zusehen, wie die noch vor vier Jahren vorhandenen letzten drei Meter Sand verschwanden. Infolge dessen wurde das Promenadenfundament an unserem Strandabschnitt immer weiter freigelegt, so dass heute eine freiliegende „Fundamentwand“ als Bollwerk gegen die anrollenden Wassermassen steht. Den Darlegungen von Herrn Schulze zufolge bedeutet das eine noch höhere Abrasion. – Also ein Teufelskreis am Süssauer Strand, an dessen Ende auch die Fassaden der betroffenen Gebäude mit in den scheinbar ausweglosen Strudel gerissen werden ?

    Ich meine nein. Es mag richtig sein, dass die aufgezeigten geologischen Faktoren unsere Küste am Süssauer Strand negativ beeinträchtigen. Sicherlich ist auch richtig, dass die vorhandene Strandpromenade in einen hochwassergefährdeten Bereich hinein gebaut wurde. Das hat naturgemäß zur Folge, dass man als Anlieger mit Hochwassersituationen an der Promenade leben und fertig werden muss. Hochwasser und Sturmfluten sind die Risiken, die man kennt und mit denen man leben muss – da nicht abwendbar -, baut man an so exponierten Lagen Gebäude, wie bei uns am Süssauer Strand. Die Gefahr einer Unterspülung von Fundamenten jedoch ist keine Naturkatastrophe, sondern ist ein vorhersehbares Ereignis, das abwendbar ist. Für solche Maßnahmen ist die Eigentümerin der Promenade, hier die Gemeinde Heringsdorf zuständig. Sicherungspflichten eines Grundstückes ergeben sich aus dem BGB.

    Aus diesem Grund und aus aktuellem Anlaß – wie oben dargelegt ist die Situation an der Nord-Promenade „5 Minuten nach 12“ – habe ich mir vor wenigen Wochen Rat bei einem in Wasserbauten erfahrenen Ingenieur geholt, der mir zur Abwendung einer möglichen Unterspülung der Promenadenfundamente folgenden Vorschlag machte:

    Gegen die jetzt freiliegende Fundamentmauer wird auf der gesamten Länge der Nord-Promenade – also auf ca. 110 m Länge – eine verdichtete Lehmböschung angeschüttet, die mit einem Geo-Textilvlies überlagert wird. Das Vlies – am Hundestrand seit Jahren vorhanden – wird am unteren Ende, also an der Wasserlinie, ca. einen halben Meter tief eingegraben und mit großen Findlingen überlagert. Die vorhandenen kleineren Steine überlagern dann bis zum oberen Ende der Böschung das Textilvlies. Mit dieser Maßnahme würde erreicht werden, dass die ankommenden Wellen den Boden nicht mehr abrasieren könnten. Sie würden durch das Textilvlies gestoppt und der heute drohenden Unterspülung der Fundamente an der Promenade wäre ein Ende gesetzt.

    Dieser fachlich fundierte Vorschlag liegt nun seit einigen Wochen dem Gemeinderat von Heringsdorf zur Entscheidung über die Baumaßnahme vor. Die Bauausführung könnte noch im September diesen Jahres erfolgen. Es liegt nun an der Gemeinde hier eine verantwortungsbewußte und baldige Entscheidung zu treffen, nicht nur um ihrer gesetztlichen Verpflichtung zur Sicherung der Promenade nachzukommen, sondern vor allem auch um Gästen und Anwohnern eine baulich sichere Promenade zu bieten.

    Dann könnte man vielleicht auch in Süssau sagen: Ende gut – alles (?) gut.

  • 1.  Von Süssau liebender Camper am 16.05.2011 um 16:08 Uhr:

    Und wat nu? bedeutet das, der Süssauer Strand geht seinem baldigen Ende entgegen?
    Hier ein extrem (blödsinniger) Vorschlag:
    Neue Promenade unterhalb von den Appartment Häusern, Mews & dem Windrad bauen. Den Deich öffnen (zwischen Nord- Südpromenade). Die alte Promenade auf einer Art Mole Stehen lassen. Die Campingplätze auf freie Flächen weiter oben am Dorf verlegen. Und Süssau blüht mit einer neuen Bucht im alten Glanz und wird das Top Ziel der Westdeutschen Ostseeküste.
    Ich weiss, is albern, aber bald is sonst nix mehr.

    Anmerkung der Redaktion:

    Lieber “Süsssau liebender Camper” !

    Ihr Kommentar ist weder “blödsinnig” noch albern. Er ist absolut kreativ! Und nur aus kreativen Köpfen kommen die besten Lösungen. Glückwunsch zu Ihrer Einschätzung!

    Jochen Steinkühler, 17. Mai 2011

Alle Kommentare zu diesem Beitrag als RSS 2.0 Feed

Kommentar schreiben

Bitte kommentieren Sie nur diesen Beitrag. Für allgemeine Themen und für Fragen an Süssauer.de nutzen Sie bitte unser › Kontaktformular.

Dieses Formular ist mit einem Spamschutz versehen. Deshalb bitte die folgende Rechenaufgabe lösen, damit wir sehen, dass Sie eine Person sind (und kein Computer).

Hinweis: Ende des Inhalts.


Hinweis: Seitenende erreicht.